Löbau - Lommatzsch - Marienberg - Markkleeberg - Markneukirchen - Meerane - Meißen -


Löbau

Örtlichkeiten:

Galgenberg nördl. "Am Trommlerbusch"; Hochgericht auf dem Löbauer Berg; Schindergraben im OT Ebersdorf; das Hüppe-Täschel, ähnlich dem Narrenhäuschen, im Rathausgäßchen zu Löbau, erwähnt 1556; Richtstätten auch in Rosenhain [OT von Löbau] und Ottenhain [OT von Kottmar];
Galgenberg Herwigsdorf Höhe Löbauer Str. 25, Rosenbach.

erste bekannte Hinrichtung:

1522: Hinrichtung des Mutter-Mörders Hans Mey auf dem Markt zu Löbau.

Obergerichtsbarkeit:

1317: 03. Dez., Waldemar „der Große“ Markgraf von Brandenburg und der Lausitz verbindet eine Anzahl umliegender Dörfer (Euersdorf, Ottenhayn, Biscopitorf, Herwisdorff, Strabenwaldt, Paulsdorf, Rosenhain et Conradistorf) dergestalt mit der Stadt Löbau, daß diese Dörfer künftig in der Stadt Löbau Recht nehmen sollen. Actum et Datum Berlin.

erste Nennungen des Scharfrichters [?]:

1434: Ausgaben, die die Stadt Löbau von den Michaeliszinsen bestritt: … Item 2 gr. dem Hundehezil vom zinse [s. Hundeschläger].

erste namentliche Nennung des Scharfrichters:

Georg Gottschalck, seit 1612 SR in Görlitz, vordem in Löbau.

Gefängnisse:

1434: Ausgaben, die die Stadt Löbau von den Michaeliszinsen bestritt: …  Item dem bittil [Büttel] 3 gr. botelon.

Besonderheiten:

Jemandem Galgen an die Thür oder an das Haus anmalen wurde ums Jahr 1522 zu Löbau grade so schwer bestraft wie das Schandliedersingen, nämlich mit Verbannung.


Lommatzsch

Örtlichkeiten:

Galgenberg an der Straße nach Zöthain; Abdeckerei (Feldmeisterei, Scharfrichterei) hinter den Klosterwiesen NÖ der Stadt; Scharfrichterstücken unterhalb der ehem. Badeanstalt an Alt-Lommatzscher Flur; Hinrichtungen auf der Viehweide und auf dem Markt.

erste namentliche Nennung des Cavillers:

um den 30jährigen Krieg Cavillerin Fieritz bzw. 1630 Caviller Ernst Spiegel

Besonderheiten:

seit 1493 Einholung des Dresdner Scharfrichters gegen ein jährliches Nachrichtergeld, so 1659 "2 fl. Scharfrichtergeld ins Amt Dresden".

Merk-Würdigkeiten:

Von Gottes Gnaden, Friedrich August, König in Pohlen. / Lieber getreuer; Was auf des Barbierers, Alexii Justi Saupens, hinterlaßener Wittwe Rosinen und des Baders zu Lommazsch, Johann Gottfried Hähnels über den Nachrichter daselbst, Johann Caspar Hoffmannen, des von diesem unternommenen Curirens halben, geführte Beschwerde, und unsere vom 17. Juni a.c. ertheilte Verordnung, du am 22. hujus anhero berichtet hast, das ist uns gebührend vorgetragen und verlesen worden, nun können wir zwar, daß besagten Hofmannen äusserliche Curen, an Arm- und Bein-Brüchen, auf derer Patienten Verlangen! zu verrichten, gestattet werden, geschehen lassen, begehren aber hiermit, du wolltest ihn, daß er die innerlichen Curen und Operationen mit Ablösung derer Glieder, sich enthalten solle, bedeuten. Mochten wir dir remittirung 2 Vol. act. nicht bergen, und geschiehet daran unsere Meinung. Datum Dreßden am 1. Nov. 1726. / August Beyer / Johann Daniel Hörner / An Creuß-Amtmann zu Meißen / Johann Friedrich Fleutern.


Marienberg

Örtlichkeiten:

Schandstein 1523; Galgen 1533; 2. Hälfte des 16. Jhs. Abdeckerei bzw. Cavillerei (ab 1742 als Feldmeisterei bezeichnet) im Hüttengrund am Galgenberg, daselbst das "Schinderbüschel" bzw. "Meistereibüschel" - die Feldmeisterei bestand aus Wohnhaus, Stallgebäude, Scheune, Wagenschuppen und Hundezwinger; 1773: 26. Nov., Hinrichtung bei Zöblitz [OT von Marienberg].

erste bekannte Hinrichtung:

1541: Barthol Reinholt wird wegen Unterstützung einer Fehde zwischen Antonius Birnstiel und Christoph Schnee, Bürger zu Geyer, peinlich verhört und mit dem Schwert hingerichtet.

Obergerichtsbarkeit:

1533: Heinrich der Fromme Herzog zu Sachsen erteilt das Recht der Obergerichtsbarkeit Freyberg, Montags nach Michaelis 1533 [29. Sept.]. Erneuerung dessen u.a. Montags nach Valentini 1536 und Freytags nach Hillarii, 1539 (17. Jan.) sowie am 10.10.1553

erste namentliche Nennung des Scharfrichter:

Matz (Max, Mattheus) Kretschmar, um 1586 Abdecker in Marienberg.

Konzessionen:

1605: 22. Aug., Abdeckereikonzession für Marienberg [an Valten Heiland?] bzw. für die Ämter Wolkenstein und Lauterstein vom 01.04.1612 an Georg Schlegel (Sohn des Georg Schlegel, Abdecker in Zschopau).

Besonderheiten:

1589: 17. Sept., Die Statuten der Bergstadt Marienberg verbieten das Hinauswerfen toter Hühner, Hunde und Katzen auf der Gemeinde Gassen. Die "Stänkerjungen" (Gesellen des Abdeckers) holten im Handwagen die Kadaver ab.

1597: der Amtsfrohn des Amtes Lauterstein, Hans Löffler, wird auf freyer Straße nicht weit von dem Freyberger Thore vor Marienberg erstochen.

Der bauliche Zustand des Hundezwingers wird mehrfach bemängelt. Der Abdecker hatte lt. Vertrag Bärenfänge und Wolfsgruben mit Aas zu versorgen und 12 (kurfürstl.) Hunde zu halten, zu heilen und aufzuziehen. (Dieses geschah auch andernorts).

1613: 18. Aug., sind 2 Personen, als Caspar Richter, ein Leinweber und Ehemann, und Martha, Hannß Herfaharts Ehefrau von Geringswalde, deren Mann allhier bei Hanß Seiferten für einen Gesellen gearbeitet, um Ehebruchs willen auf öffentlichem Markte zu Mittweida mit dem Schwert hingerichtet, jener durch den Scharfrichter von Glauchau, diese aber durch den Meister von Marienberg und hat dieser peinliche Gerichtsprozeß dem Rathe über 39 Rßo. gekostet.

nach 1718: Durch gesundheitliche Probleme des Cavillers zu Stadt Schellenberg, Johann Christoph Fischer und der Abwanderung dessen nach Marienberg, erfolgt die Zusammenführung beider Cavillereien.

Merk-Würdigkeiten:

1586: In Marienberg stürzt sich der Stadtschreiber Johann Bretschneider, nachdem er den Gottesdienst ruhig abgewartet und am Freyberger Thore dem Thorwärter Gelder und Briefe an seine Frau übergeben hatte, in den Mühlenteich.

Marienberg Galgenberg, Meisterei und Rabenstein 1787
Marienberg Galgenberg, Meisterei und Rabenstein 1787

Markkleeberg

Örtlichkeiten:

Gerichtsfleck südl. Oetzsch; Gerichtsstätte an der Straße nach Crostewitz bzw. Nahe Prödel (1971-1972: wegen Braunkohlentagebau aufgelöst/rekultiviert), Schindanger zu Markkleeberg 1715 erwähnt.


Markneukirchen

Örtlichkeiten:

1529: Item Hanns Gamper Nunerin vom Ror unnd ire mutter unnd Erben haben gemacht ein ewigk gedechttnis mit einer wissen gelegen unntter der martter (Bedeutung s. hier) ...; 1542: Das Erbbuch weist aus ... Hans pentzel hat geschatztt 10 fl. fur den wyßfleck und acker bey dem gericht Gylg Jacob 10 fl. fur die marterwyß … ; die Flurnamen benennen den Galgenberg bzw. das Galgenfeld; der Visitationsbericht des Jahres 1578 Pranger bzw. Halseisen, stand dieser vor dem Turm bis ins 19. Jh.

erste bekannte Hinrichtung:

1527: wurde der Mörder Hans Dörffel von Adorf peinlich gerichtet.

Obergerichtsbarkeit:

1542: In diesem Marckt Neunkirchen bey Adorff haben meine genedigste und genedige herren zw Sachssenn die ober- und niedergericht auff allen heusern, feldern, fluren und holczern, so weit das umbfangen, mit volge und steuer Brayttenfeldt (Breitenfeld, zu Markneukirchen) / In diesem dorff auf zween menner haben meine genedigste und gnedige herren ober- und niedergericht, aber auf den andern leutten und ein forbergkh, welche Sebalt Thossen zwständigkh, darauff hatt ehr sein ober- und niedergericht, aber mit volge und steuer gehoren sie ohne mittell ins ambt … Wolhawsen  (Wohlhausen, zu Markneukirchen) / In diesem dorff haben meine genedigste und genedige herren von Sachssen ober- und niedergericht in feldern (und) fluren, so zum dorff gehorendt, mit volge und steuer, außgeschlossen Sebaldt Thossen und der Prister zu Neunkirchen Mutth, darauff haben sie ihre erbgericht und lehen und geben … zinsbare gerechtigkeit jährlichen ins ampt …

1627: 01. Febr., Johann Georg Kurfürst von Sachsen Seind Einem Erbarn und Wohlweisen Rahte zue Mark Neukirche, die Ober- und Niedergerichte, so weit des Markts Weichbildt, Fluhr, und Bürgergütere gehen, sambt einem Fischbach zwischen Wohlhaußen und dem Markt gelegen vor und umb Vierhundert gulden Meißnischer wehrung 21 gl. pro 1 fl. …

erste Nennung des Zuchtinger:

1532: ward ein straßmorder peinlich gefragt und gericht, wofür der Zuchtinger 3 schock 39 gr. empfing (mit großer Wahrscheinlichkeit ein Auswärtiger)

erste namentliche Nennung des Fallmeisters (Wasenmeister):

1791: kauft Johann Michael Schönsteiner [aus Bayern stammend?], Wasenmeister zu Schönlind [zu Markneukirchen], eine Hausbaustelle.

Gefängnisse:

zu Landwüst (heute zu Markneukirchen) um 1385, zu Markneukirchen vor 1529; 1688: Frohnveste neben der Ratswaage am Markt, Neubau dieser nach 1795.

Besonderheiten:

Markneukirchen erhält nach 1360 Oelsnitzer Stadtrecht,

1523: wird die hiesige Pfarre durch die Bürgerschaft gestürmt, weswegen zu Oelsnitz im Dezember d.J. verhandelt wird.

1532: mußte ein Ehebrecher 1 Scheffel Korn zur Buße geben, der dem Maurer erhart fugman „ins gedinge“ gegeben wurde zur Ausbesserung der Steinbrücke über den Görnitzbach (a. d. Egerer Landstraße.

1537: wurde ein adorfer Bürger hingerichtet, weil er einen Mitbürger ermordet hatte. Der Henker von Zwickau hatte die Strafe zu vollstrecken.

Hinrichtungen fanden nach 1625 zu Markneukirchen wohl keine mehr statt.

Mit Beginn des Markneukirchner Musikinstrumentengewerbes 1677 wurden nur Gesellen  eingestellt, welche den Nachweis „ehr- und ehelicher Geburth“ erbringen konnte - es durfte also kein Kind eines Hirten, Totengräbers oder Schinders ins Handwerk einlernen.

1798: erste Nachricht von einer Hundesperre. Joh. Friedrich Reichel zahlt 10 gr. Strafe „wegen eines wider des Raths Verboth herumgelaufenden Hundes“.

Merk-Würdigkeiten:

1530: 17. Dez., Richter, Bürgermeister und Rat zu Markneukirchen ersuchen den Rat zu Eger, er solle den Hans Müssel anhalten, daß er die den armen Leuten zu Markneukirchen gelieferten kranken Schweine zurücknehme und das Kaufgeld zurückerstatte.


Meerane

Örtlichkeiten:

Marterkammer (der Sage nach) in der Burg (letztere wurde zerstört wohl schon vor 1475). Fehmstätte inkl. Galgen zu Meerane erwähnt 1574, das Gericht 1595.

Abdeckerei Dittricher Weg 33. Dieses Grundstück umfasst Ende des 19. Jh. 4 Acker der besten Felder, ein im Schweizerstil erbautes Wohnhaus, Scheune und Pferdestall, Kellereien und ein Schlacht- und Siedehaus.

erste bekannte Hinrichtung:

um 1400: wurde ein zum Tode verdammter Ehebrecher zu Meerane dahin begnadigt, daß er eine Buße von 600 Gulden erlegen mußte; dafür kaufte man das sogenannte Gottesholz bei Dennheritz.

Obergerichtsbarkeit:

1505: Die Obergerichtsbarkeit überlässt die Stadt der Herrschaft von Glauchau, nachdem dieselbe unter der Vormundschaft der Anna Gratiosa von Schönburg (geb. von Rieneck, + 1525) sich erboten, die Kosten zur Enthauptung eines gewissen Simon Schmidt herzugeben.

erste Nennung des Henkersknecht:

1741: 24. April, wurde ein Henkersknecht aus Meerane wegen Diebstahls (zu Glauchau) gemartert. Er gestand jedoch nicht.

Gefängnisse:

schon früh vorhanden, Erbauung der Frohnveste (unmittelbar am Rathaus) 1859 mit insgesamt sechs Gefängniszellen.


Meißen

Örtlichkeiten:

das Schinderbirnigt (zwischen Seilitz und Seebschütz),  Meisterei (Vorbrücke bzw. ohnweit des sogenannten Riesensteins) und Schindanger (östl. Cölln);

Gericht bzw. Galgengut oder neue Sorge (westl. Meißen), Galgenberg zw. Nieder- und Oberspaar,der rote Turm (als Stelle des kaiserlichen/markgräflichen bzw. Hof-Gerichts);
Erbauung des Gerichts, der Justiz und anderer Strafzeichen aufm Markte ao. 1619. Auf dem Hauptmarkt hatten eine eicherne Säule und ein hölzerner Esel zur Bestrafung der mehr oder minder schweren Vergehen der einquartierten Soldaten gestanden (Neuaufstellung 1665-1667, 1675-1677, 1714); Halseisen und zwei steinerne Flaschen (s. Schandsteine) am Rathaus (1726); 1761: Hinrichtung in der Mühlenaue (Triebischtal) auf Ernstens Felde.

Galgenberg zu Graupzig [Amt Meißen]

erste bekannte Hinrichtung:

1407: 10. Juli, Enthauptung des Bürgermeisters zu Zwickau, Peter Mergenthal, und dreier Rathsherren unter dem rothen Thurme auf der Burg wegen Hochverrats.

Obergerichtsbarkeit:

1423: 02. Sept., Kurfürst Friedrich I. verkauft wiederkäuflich der Stadt Meißen zwei Teile der Ober- und Niedergerichte für 600 Rhein fl. Gegeben zcu Friberg [Freiberg] am dornstage nach Egidii. Abtretung des dritten Teils am 07. Juni 1446.

erste Nennung des ufdegker:

1551: 1 fl. dt der ufdegker wegen des alden ufdegkers burgkschaft halber. Rest noch 1 ß.

erste namentliche Nennung des Feldmeisters:

um 1569: Der Rat zu Roßwein vermietet vor etlichen Gulden Philipp Hofmann, Feldmeister in Meißen, ihre Feldmeisterei, Abrechnungen u.a. des Torgauer (1641), Dresdner sowie Grimmaischen (1642) Scharfrichters; Eingaben des Döbelner, Oschatzer Scharfrichters (1711) bzw. des Lommatzscher Nachrichters (1725) wegen Schmälerung der von ihnen erworbenen Abdeckereirechte

Gefängnisse:

erstmalige Nennung der Frohnfeste 1433 auf dem Frauenmarkt (Kleiner Markt seit 1716), letzterer benannt nach dem daselbst stehenden Frauenhaus; Büttelei (1540); Lochgefängnis (1550), Gefängnis auf der Albrechtsburg (Bischofsturm; hier stirbt 1584 Friedrich Mardorff, kurfürstlicher Buchhalter, wegen getriebener Unschleife nach ausgestandener Tortur).

Besonderheiten:

Die Berufsbezeichnung des Carnifex ist im mittelalterlichen Sachsen vorrangig den Fleischern zugedacht. Die älteste Meißner Stadtrechnung von 1460 listet derer namentlich elf auf, die Türkensteuerliste von 1481 siebzehn.

1624: 1 ß hat Marcus Burger der elter zu straf erleget, daz ehr zu nachtheil der cavillerin ein altes pferd anderswohin geschaft. den 2. April.

1756: 11. Nov., erhielt das preußische Regiment von Poitz hier die Winterquartiere; kurz darauf ward ein Musketier von selbigem wegen zweimaliger Desertion und Marodierung in einer Mühle auf hiesigem großen Markte so schlecht gehenkt, daß der Henker in Gefahr war, von den zur Exekution kommandierten Mannschaften erschossen zu werden.

Merk-Würdigkeiten:

1572: 6 gr. von Sigemund Seiliken, hat Elias Ber vor ein schelm [s. Schinder] geschulden.